55 Meilen in die Hauptstadt

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Freitag, Juli 3, 2026

Von Efimia über Skala bis nach Argostoli

Der Montagmorgen in Filiatro war ein absoluter Traum – mit so einer Aussicht in den Tag zu starten, macht den morgendlichen Sprung ins Wasser gleich doppelt so schön. Wir blieben insgesamt zwei Nächte in der Bucht, doch da langsam der Vorrat an Hunde-Nassfutter zur Neige ging, hiess es weiterziehen.

Unser Ziel war zunächst Efimia. Wir kamen zur richtigen Zeit an (vor 14:00 Uhr) und fanden einen passenden Platz, doch gegen Abend füllte sich die Bucht so stark, dass wir wieder einmal voll gefordert waren: Ständiges Beobachten ist Pflicht, damit uns niemand zu nah kommt oder den Anker über unsere Kette legt. Vor allem wenn Charter-Flottillen mit 6-8 Booten nahezu gleichzeitig eintreffen.

Eine Option wäre gewesen, ein Auto zu mieten und über den Landweg nach Argostoli zu fahren, aber bei einem so belebten Ankerplatz wollten wir Scialla nicht so lange allein lassen. Also entschieden wir uns für den Wasserweg. Um die Strecke bei der Hitze angenehmer zu gestalten, legten wir einen Stopp in Skala ein. Der Ort ist bekannt für seinen riesigen Sandstrand, der heute Teil einer touristisch gut erschlossenen Region an der Südostküste Kefalonias ist. Wir hatten das Glück, den Ankerplatz vor dem Strand fast für uns allein zu haben. Nach einer ruhigen Nacht machten wir uns auf den letzten Schlag Richtung Argostoli.

Leistungssteigerung und ein Stück Geschichte

Die Fahrt dorthin war anfangs spiegelglatt und wir kamen zügig unter Motor voran. Doch ums Kap herum drehte der Wind direkt auf die Nase und wir mussten uns durch Wind und Wellen kämpfen.

Unser Motor macht das aber super und bringt uns stets sicher ans Ziel. Jan fand nach einer Recherche heraus, dass unser Motor (Volvo Penta D1-30) seinen Sweetspot bei 2.200 statt der bisher angenommenen 1.800 RPM hat, wenn es darum geht, zügig unterwegs zu sein oder gegen Wind und Wellen voranzukommen. Hätten wir das früher gewusst, hätten wir in der letzten Saison so einige Stunden sparen können – man lernt eben nie aus.

Argostoli selbst ist eine faszinierende Stadt. Ein Wahrzeichen ist die De-Bosset-Brücke aus dem Jahr 1813, die vom Schweizer Ingenieur Charles Philip de Bosset im Auftrag der Briten erbaut wurde und als längste Steinbrücke über das Meer in Europa gilt. Die Stadt hat aber auch eine bewegte und teils traurige Geschichte: Im September 1943 kam es hier zum Massaker an der italienischen Division Acqui durch die Wehrmacht – ein Kriegsverbrechen, an das heute ein Denkmal und ein Informationszentrum des italienisch-griechischen Vereins „Mediterraneo“ erinnern.

Schlechtes Gefühl und rutschende Anker 

Was den Ankerplatz vor Argostoli betrifft, waren wir anfangs wegen der Berichte über schlechten Halt, versuchte Diebstähle und Ratten skeptisch. Letztere schwimmen offenbar gerne zu Booten und klettern über die Ankerkette an Bord. Wir gingen bisher davon aus, dass dies nur ein „Landphänomen” sei. Nach einem Gespräch mit einem Nachbarn, der gleich zwei Vorfälle hatte, wurden wir jedoch eines Besseren belehrt.

Doch unser Anker hielt wunderbar. Dass das nicht für jeden galt, sahen wir live: Vier rutschende Anker. Darunter ein Katamaran, der auf Grund lief und von einem Ausflugsboot befreit werden musste, waren die Bilanz unserer vier Tage hier. Die Bucht fungiert abends wie ein Windkanal, was das Dinghy-Fahren mit Mabel zum Abenteuer macht. Dabei haben wir unser neues Schloss für das Dinghy prompt versenkt – zum Glück nur das Vorhängeschloss selbst und nicht das fünf Meter lange Fahrradschloss.

Argostoli bietet ausserdem ein besonderes Naturschauspiel: Unechte Karettschildkröten, die täglich zum Kai kommen, um Muscheln abzuknabbern oder Fischabfälle zu suchen.

Wir haben die Zeit in der Stadt auch für Besorgungen genutzt. Wir konnten unsere Wassertanks an einer kostenlosen Säule auffüllen, die sich noch im Bau befand. Dabei haben wir gleich den Filter gewechselt und die Leitungen gespült.

Dieselsorgen und Piratenhafen

Weniger erfreulich war der Fund von Dieselpest-Ablagerungen in einem unserer 20-Liter-Kanister, obwohl wir den Diesel stets mit einem Biozid versetzt hatten. Wir hoffen nun, dass der Tank verschont geblieben ist und suchen nach einer Möglichkeit, den Kanister reinigen zu lassen (es kleben Rückstände am Boden). Dem Tankinhalt haben wir eine extra Ladung Biozid verabreicht und sind auf der Suche nach einem Ersatz-Dieselfilter.

Obwohl es in der Nähe eine stillgelegte Marina gäbe, in der man gratis liegen könnte, entschieden wir uns dagegen. Der Schutz wäre zwar gut, aber wir verzichten lieber auf die festen Plätze – nicht nur wegen der Rattenplage, sondern auch, weil wir an heissen Tagen einfach direkt vom Boot ins Wasser springen wollen (und vielleicht auch weil die besten Plätze bereits besetzt waren;).

Jeder Tag auf dem Wasser lehrt uns etwas Neues – sei es über die Technik unserer Scialla, die Geschichte der Orte, die wir besuchen, oder die kleinen Herausforderungen des Alltags, die uns immer wieder aufs Neue fordern.

Barking Blue

Hier befinden wir uns zur Zeit:

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