
Griechische Minuten und digitale Tücken
Von Tierarztbesuchen, Gratis-Wasser und dem ersten Mal an Landleinen
Die neue Woche begann mit einer Portion Sorge: Junas Hinterteil war stark gerötet, und wir befürchteten bereits, dass wieder die Analdrüsen Probleme bereiten könnten. Ein kurzer Besuch bei der Tierärztin brachte zum Glück Entwarnung. Es handelte sich lediglich um eine leichte Entzündung, die mit der richtigen Pflege und den passenden Utensilien aus der Apotheke schnell abklingen sollte.

Nachdem wir der Tierärztin für den spontanen Termin gedankt und die Behandlungskosten in Höhe von 15€ bezahlt hatten, besorgten wir die Salbe in der nahegelegenen Apotheke. Danach flanierten wir weiter durch die Stadt, um einige Erledigungen abzuhaken. Unter anderem suchten wir nach einem Fachgeschäft, das unser Funkgerät umprogrammieren kann, da dort immer noch die alte MMSI-Nummer hinterlegt ist. Leider blieben wir erfolglos; dieser Punkt wandert also zurück auf unsere To-do-Liste.
Unlimitiertes Internet und «griechische» Pünktlichkeit
Erfolgreicher war unser Abstecher in den Vodafone-Store. Für unser Bord-Wlan benötigten wir dringend ein neues Internet-Abo. Unser italienischer Vertrag war zwar noch aktiv, bot innerhalb Europas jedoch nur ein sehr begrenztes Datenvolumen (30GB EU Roaming), das durch unsere Nutzung im Nu aufgebraucht war. Wir ergatterten eine Prepaid-SIM-Karte, die wir für 16 € im Monat mit unlimitiertem Datenvolumen aufladen können – eine Aufgabe weniger! Den restlichen Tag gönnten wir Juna Ruhe, während wir beim Abendspaziergang unsere Vorräte an Diesel und Benzin auffüllten.

Tags darauf hiess es wieder: Leinen los! Da der Wind mal wieder Kapriolen schlug, fiel die Wahl des nächsten Ziels nicht leicht. Wir steuerten schliesslich Syvota an. Der Ort ist bekannt für seine traumhaften, verwinkelten Buchten und das kristallklare Wasser. Nachdem uns zwei der drei im Vorhinein markierten Ankerplätze nicht ideal erschienen, fanden wir hinter einer Landzunge ein wunderbar einsames Plätzchen.

Abends fuhren wir mit Mabel und unseren Wasserkanistern in die Stadt. Syvota ist zwar eher klein, versprüht aber enorm viel Charme – und beherbergt, wie fast überall in Griechenland, eine beachtliche Katzenpopulation. An einem Kiosk fragten wir nach einer Prepaid-Karte für die Wassersäulen. Ein Schild am betreffenden Büro-Container verkündete: «Be back in 10 Minutes.» Wir warteten geduldig. Als nach einer Stunde immer noch niemand aufgetaucht war, verrieten uns andere Segler, dass der Besitzer wohl erst gegen 18:00 Uhr zurückkehre. Aus den angekündigten 10 Minuten wurden also eher ein paar Stunden – willkommen in der entspannten griechischen Zeitrechnung!


Gastfreundschaft und das erste Mal an Landleinen
Als die Dame schliesslich erschien und erfuhr, dass wir lediglich 130 Liter Wasser benötigten, winkte sie ab und meinte: "Die Prepaid-Karte koste 10 €, was für unsere kleine Menge völlig überrissen wäre." Kurzerhand öffnete sie uns den Hahn und liess uns unsere Kanister zweimal gratis füllen. Wir waren extrem dankbar für diese Grosszügigkeit!

Da das Wasser in unserer kleinen Bucht schnell seicht wurde, setzten wir zum ersten Mal unsere neuen Landleinen ein.

Normalerweise schwojen Boote vor Anker. Schwojen bedeutet, dass es sich durch Wind oder Strömung in einem Kreis um den Ankerpunkt bewegt. In engen Buchten wird das Heck daher mit langen Leinen an Felsen an Land fixiert, um dieses Schwojen zu verhindern und sicher auf Position zu bleiben.
Wir fanden zwei stabile Steine, hievten Mabel an Bord und nutzten fortan das SUP, um an Land zu gelangen. Ein 20-minütiger Fussmarsch über einen Hügel führt direkt in die Stadt. Die Fahrt mit Mabel dauerte etwa gleichlang. Das Wasser war mit 17 Grad zwar noch knackig, reichte aber für einen ersten schwumm rund um Scialla.

Gegen Mittag gesellten sich noch drei weitere Boote zu uns. Ein Katamaran der ebenfalls mit Landleinen befestigt war musste am Abend schnell aufbrechen - er hatte wohl Probleme mit seinem Motor? Da er weder SUP noch Dinghy im Wasser hatte half Jan die Landleinen einzuholen.


Angeln, digitales Chaos & eine runde Schach
Der Donnerstag war verregnet, weshalb wir uns auf kurze Strandausflüge beschränkten. Dafür wurde das erstemal die Angel ausgepackt und getestet (Danke Jörg). Gefangen haben wir nichts aber Spass hats trotzdem gemacht.

Weniger erfreulich war eine Entdeckung von Janine: Ihr gesamter E-Mail-Account wurde gehackt. Die Angreifer hatten bereits Passwörter zurückgesetzt und Kreditkartendaten ausgespäht. Es folgte ein Marathon aus Sicherheits-Checks, neuen Mailadressen und der Einrichtung von Zwei-Faktor-Authentifizierungen. Im Nachhinein war es aber ein guter Anlass, um digital einmal gründlich aufzuräumen.

Am darauffolgenden Morgen gönnten wir uns frische Waffeln. Vielen lieben Dank Doris & Sepp für den Dessert-Batzen!
Danach gabs eine runde Schach auf dem "Dorfplatz". Jan hat gewonnen - Janine übt jetzt fleissig am iPad, damit sie ihn das nächste Mal besiegt ;-)


Hafenkino in Lakka
Am Sonntag machten wir uns bei bedecktem Himmel auf den Weg Richtung Paxos. Unser Ziel war die Bucht von Lakka im Norden der Insel, die für ihren hervorragenden Rundumschutz bekannt ist. Da der Wind ausblieb motorten wir die zwei Stunden Richtung Süden und wurden dabei vom Schwell aus Nordwest durchgeschaukelt.
In der Bucht angekommen, hatten wir Glück: Ein Katamaran verliess gerade einen erstklassigen Platz, den wir sofort besetzten. Hier herrscht ein reges Treiben – ein ständiges Kommen und Gehen, das uns bestes «Hafenkino» bescherte. Während im Hochsommer hier bis zu 70 Boote dicht an dicht liegen, waren es bei uns entspannte 21. Wir erkundeten das charmante kleine Dorf, das momentan fast ausschliesslich von Segel-Touristen bevölkert wird, und liessen die Woche bei einem Drink gemütlich ausklingen.

