Kalimera Ellada

Kalimera Ellada

Freitag, April 17, 2026

Von der Nachtfahrt über die Adria bis zu den Legenden von Korfu

Uns stand der Sprung nach Griechenland bevor. Da die Strecke etwa 62 Seemeilen misst, bedeutete das eine Reisezeit von mindestens 12 Stunden. Wir entschieden uns daher für eine Nachtfahrt – so mussten wir uns keine Gedanken darüber machen, ob wir unser Ziel noch vor der Dunkelheit erreichen würden. Den verbleibenden Tag in Otranto kosteten wir voll aus; die Stadt war deutlich leerer als am Vortag, was das Schlendern durch die charmanten Gassen viel entspannter machte.

Zur Feier des Tages gönnten wir uns das erste Glace der Saison. Jan ruderte danach mit Mabel zur nächsten Tankstelle um 40 Liter Diesel zu Bunkern. Um 19:20 Uhr lichteten wir schliesslich problemlos den Anker. Kurs 118 Grad. Kurz nach der Abfahrt verabschiedete sich die Sonne mit einem spektakulären Untergang, und wir starteten in unseren Schichtbetrieb. Arrivederci Italia – wir kommen wieder!

Ankunft im griechischen Frühling

Die Nächte auf See sind aktuell noch kühl, aber mit der richtigen Kleidung und einer warmen Wolldecke lässt sich die Ruhe und der spärliche Schiffsverkehr wunderbar geniessen. Wir fanden beide abwechselnd etwas Schlaf und konnten zwischendurch die Segel setzen. Schon früh am Morgen zeichneten sich sowohl die Küste Albaniens als auch die erste kleine Insel Griechenlands am Horizont ab.

Nach 15 Stunden Fahrt kam unsere angesteuerte Bucht auf Korfu "Agios Georgios" in Sicht – weit und breit kein anderes Boot. Beim ersten Ankermanöver landete der Anker wohl auf einem von Sand bedeckten Felsen und fand keinen Halt. Beim zweiten Versuch klappte es jedoch hervorragend; es ist faszinierend, wie schnell und zuverlässig sich unser neuer Anker eingräbt. Da für die nächsten Tage Windböen über 30 Knoten angesagt waren, gaben wir grosszügig Kette.

Die neue Ankerkralle

Bereits in Montenegro hatten wir eine neue Ankerkralle zusammengebaut, die nun ihren ersten grossen Einsatz hatte. Wir kauften dafür ein längeres Seil und installierten zusätzliche Ruckdämpfer. Die Kralle wird an der Ankerkette eingehängt und an Bord auf beiden Klampen belegt. Das nimmt den Druck von der Ankerwinsch und schont das gesamte Material.

Obwohl es in Griechenland momentan noch recht frisch ist und das Meer gerade einmal 16 Grad misst, war nach der langen Überfahrt eine Dusche fällig. Wir wagten den kurzen Sprung ins kalte Nass – freuen uns aber definitiv auf die wärmere Zeit, wenn das Meer eine echte Abkühlung und keine Mutprobe mehr ist.

Abwettern und Entdeckungstouren

Mit dem Dinghy landeten wir problemlos am Strand und erkundeten die Gegend. Vieles wirkt noch wie im Winterschlaf; die meisten Läden öffnen gerade erst, und es sind kaum Touristen unterwegs. Dafür trafen wir viele Katzen und Hunde, die zwar ein Zuhause zu haben scheinen, aber den ganzen Tag frei am Strand herumtollen.

Die erste Nacht war allerdings ungemütlich: Ein Schwell aus Südwesten traf Scialla seitlich, was uns im Bett ständig hin und her rollen liess. Am nächsten Tag fuhren wir mit Mabel in eine etwas versteckte Bucht. Dort wanderten wir einen Berg hinauf und wurden mit einer grossartigen Aussicht belohnt. Zurück an Bord erreichte uns dann der angekündigte Starkwind. Trotz der geschützten Lage peitschten Böen mit bis zu 35 Knoten durch die Bucht. Unsere neuen Ruckdämpfer hatten ordentlich zu tun, aber dank ihnen blieb es im Inneren des Bootes erstaunlich ruhig. Das Vertrauen in unser Material wuchs in diesen Stunden enorm.

Böen am Bug

Unsere Rollanlage für das Vorsegel machte uns kleine Sorgen: Die Genua liess sich nicht ganz einrollen, sodass immer ein kleines Stück Stoff herausstand. Bei solchen Böen ist jede Angriffsfläche zu viel. Wenn man dann bei 35 Knoten Wind vorne am Bug steht, ist das ein echtes Erlebnis. Wir schafften es schliesslich, den Schäkel der Genua kurz zu lösen, den Stoff einmal mehr um sich selbst zu wickeln und alles wieder zu sichern. Auch die Solarpanels auf dem Bimini mussten wir zusätzlich festzurren. Nach vier eher unruhigen Nächten zehrte der Schlafmangel langsam an unseren Kräften. Es braucht immer ein bisschen Zeit sich an das ständige Rollen zu gewöhnen.

Von Zecken und verlorenen Schuhen

Da der Wind drehen sollte und unsere Bucht dann völlig ungeschützt gewesen wäre, entschieden wir uns zur Weiterreise. Wir legten am frühen Abend bei etwa 12 Knoten Wind ab. Das Manöver erforderte Fingerspitzengefühl: Jan muss genau so viel Gas geben, dass die Last nicht allein auf der Winsch liegt, wir aber auch nicht über den eigenen Anker fahren. Es klappte alles perfekt, und wir konnten die kurze Strecke segeln. Mabel zogen wir dieses Mal ohne Aussenborder einfach hinter uns her.

Unser nächstes Ziel war "Cape Drastis", der nördlichste Punkt von Korfu. Die Natur hat hier eine Kulisse geschaffen, die fast unwirklich erscheint: Die steilen Küsten bestehen aus verschiedenen Schichten von Lehm, Sand und Stein, die durch Wind und Wellen zu bizarren, fast weissen Formationen geformt wurden. Von Land aus bieten die Klippen ein einzigartiges Muster, doch vom Wasser aus wirkt die Szenerie noch imposanter, da man direkt unter den gewaltigen Überhängen ankert.

Wieder hatten wir diesen magischen Ort ganz für uns allein. Wir gingen an Land und wanderten den Hügel hinauf, um das Kap von oben zu bewundern. Der Kontrast zwischen den hellen Felsen und dem tiefblauen Ionischen Meer ist einfach spektakulär.

Für den Rückweg wollten wir eine Abkürzung durch hohes Gras nehmen – was sich im Nachhinein als keine gute Idee herausstellte. Es wimmelte dort nur so von Zecken. Alleine auf Juna entdeckten wir sofort drei der Plagegeister. Zurück an Bord fanden wir zwei weitere, und am nächsten Tag hatte sich eine direkt an ihrer Schnauze festgebissen. Zum Glück ist Junas Fell sehr dicht, was es den Zecken schwer macht, bis zur Haut durchzukommen – Doodle-Fell sei Dank! Dennoch war die Suchaktion ein ordentliches Stück Arbeit.

Am nächsten Morgen umrundeten wir die Felsen frühzeitig mit dem Dinghy, um einen weiteren kleinen Strand zu besuchen. Leider war dieser stark vermüllt, was den idyllischen Eindruck etwas trübte. Ironischerweise mussten wir zurück an Bord den ersten echten Verlust der Saison beklagen: Jan verlor einen seiner Badeschuhe. Wir versuchten noch, ihn mit dem Netz zu fischen, waren aber leider zu langsam - der Schuh ist nun auf eigener Mission unterwegs.

Der Kanal der Liebe in Sidari

Wir fuhren eine halbe Stunde weiter nach Sidari im Norden von Korfu, um dort endgültig abzuwettern. Der Ort ist berühmt für den „Canal d’Amour“ – tunnelartige Felsformationen aus gelblichem Sandstein, die durch Erosion entstanden sind.

Die Legende besagt: Paare, die gemeinsam durch den Kanal schwimmen, bleiben für immer zusammen. Singles hingegen sollen bald ihren Traumpartner finden, wenn sie das Wagnis im Wasser auf sich nehmen.

Wir erkundeten die Stadt, bestaunten die Felsformationen und genossen den Abend schliesslich entspannt an Bord von Scialla.

Barking Blue

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