
Kurs auf Erikousa
Neue Frisuren, Insel-Fakten und die Suche nach dem perfekten Halt
Die Woche startete mit einem radikalen Schnitt: Am Montag entschied sich Jan, zur Schere zu greifen. Die neuen, kurzen Haare sind zwar deutlich wartungsärmer, aber der Fahrtwind zieht jetzt doch spürbar mehr um den Kopf.

Um den Wind abzuwettern, verbrachten wir die nächsten Tage in Sidari. Wie die bereits besuchten Ortschaften erwacht auch diese Stadt gerade erst langsam aus dem Winterschlaf. Strandterrassen werden repariert oder neu gebaut, Zäune gestrichen und Gras gemäht. Am Abend sind erst vereinzelt Restaurants oder Bars geöffnet, es herrscht die Ruhe vor den Touristenströmen im Sommer.

An den Nachmittagen peitschten Böen bis zu 33 Knoten über die Bucht. Da der Schwell jedoch aus einer anderen Richtung kam als erwartet, liess er Scialla wild herumtanzen. Da sich die Wetterlage zudem anders entwickelte als vorhergesagt, entschieden wir uns spontan, einen Tag länger in Sidari zu bleiben, bis sich die Bedingungen beruhigten. Bevor wir weiterzogen, füllten wir unserem 20-Liter-Kanister Diesel an der nächstgelegenen Tankstelle auf und gönnten uns zur Belohnung unseren ersten Gyros auf griechischem Boden – ein echtes Highlight!


Erikousa: Die nördlichste Perle der Ionischen Inseln
Am Mittwoch hiess es schliesslich: Anker auf! Es ging 2,5 Stunden lang Richtung Norden zur Insel Erikousa.

Die Insel ist die nördlichste der Diapontischen Inseln und verdankt ihren Namen dem Heidekraut (griechisch: Ereiki), das hier überall blüht. Erikousa ist fast kreisrund und bekannt für ihre üppige, grüne Vegetation – ein krasser Kontrast zu manch kargen Felsinseln.


Besonders auffällig ist die grosse Population an Katzen. Die Inselbewohner kümmern sich liebevoll um die Tiere, und es gibt sogar organisierte Programme von Freiwilligen, die sicherstellen, dass die Katzen gefüttert und medizinisch versorgt werden. Für Juna gab es also an jeder Ecke etwas zu beobachten, während die Samtpfoten völlig tiefenentspannt in der Sonne dösten - oder sich gestört fühlten und Juna anfauchten.

Wir ankerten direkt neben dem Hafen und fanden einen guten Spot. Auch hier forderte uns der Schwell heraus; der Körper muss sich eindeutig erst wieder an die ständige Bewegung gewöhnen. Während wir tagsüber kein Problem mehr damit haben, liegen wir nachts doch öfter wach, wenn das Boot arbeitet. Immerhin: Seekrankheit oder Übelkeit sind dieses Jahr bisher kein Thema.

Gastfreundschaft und Natur pur
Wir erkundeten Erikousa zu Fuss und sahen fast die gesamte Insel – vom Helikopter-Landeplatz über die sanften Hügel bis hin zur alten Windmühle. Man merkt, dass vieles noch im Aufbau ist; die Insel ist touristisch noch nicht überlaufen und hat sich ihre natürliche Schönheit bewahrt.


Was uns besonders auffällt, ist die Herzlichkeit der Menschen. Wir wurden überall extrem freundlich begrüsst. Wenn man ein paar Brocken Griechisch wie «Yassas» (Hallo) oder «Kalimera» (Guten Morgen) einstreut und nett winkt, ist das Eis sofort gebrochen. Die Verständigung auf Englisch klappt zudem hervorragend, egal ob mit Jung oder Alt.

Auch auf Erikousa frischte der Wind wieder ordentlich auf, was uns mittlerweile jedoch kaum noch Sorgen bereitet. Unser Vulcan-Anker und die neue Ankerkralle leisten hervorragende Arbeit. Es ist ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass das Material hält, während man nicht an Bord ist oder schläft.

Zurück nach Korfu
Da der Wind auf Südost drehen sollte, machten wir uns am Sonntag wieder auf den Weg. Mabel wurde an Bord gehievt, und nach einer 4,5-stündigen Fahrt – grösstenteils unter Segeln – erreichten wir die Gegend um Kassiopi auf Korfu.

Genau bei unserer Ankunft legte der Wind kräftig zu. Beim ersten Versuchen, den Anker zu setzten, gaben wir 40 Meter Kette. Dabei hielt der Anker bis 1200 Touren im Rückwärtsgang, riss dann aber aus. Beim zweiten Anlauf gaben wir 53 Meter Kette – und siehe da: Der Anker biss sich fest. Der Ankergrund bestand aus Sand- und Kieselsteinflächen, die von grossen Ansammlungen von Seegras umgeben waren. Gutes Zielen war angesagt.

Da der Strand hier sehr steil abfällt, konnten wir relativ nah am Ufer liegen. Wir bliesen das Stand-Up-Paddle (SUP) auf und paddelten an Land. Juna liebt es vorne auf dem SUP zu sitzen und alles genau zu erkunden - wie eine kleine Prinzessin. Wir erkundeten den Steinstrand und folgten einem Pfad zu einer benachbarten Bucht. Ursprünglich wollten wir dort ankern, aber ein grosser Katamaran nahm bereits den meisten Platz ein.

Erschöpft, aber zufrieden fielen wir abends ins Bett. Und was für eine Nacht es war: Keinerlei Schwell, das Boot lag so ruhig wie in einem Hafen. Wir haben beide wunderbar geschlafen – herrlich!
