
Leinen los für die zweite Saison
Von Tauchern, Kontrollen und dem ersten Test des neuen Ankers
Eigentlich war unsere Abfahrt für den 31. März geplant – passend zum Ende unserer Reservierung in der Marina. Doch wie so oft beim Segeln machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Wir verschoben den Start kurzfristig und beobachteten gespannt die Entwicklung der Wetterlage.

Die gewonnene Zeit nutzten wir produktiv, um Vorräte aufzustocken. Wasser, Konserven, Teigwaren und Mehl wanderten in die Stauräume. Wir testeten zudem einen Online-Lieferservice und gaben zwei grosse Bestellungen auf. So stellten wir sicher, dass genügend Getränke und vor allem Snacks für die nächsten Wochen an Bord sind. Die salzige Meeresluft macht schliesslich hungrig, und bei längeren Überfahrten gehört Nervennahrung einfach dazu. Auch unser Trinkwasservorrat ist mit 120 Litern in Flaschen randvoll – das sollte eine ganze Weile reichen.

Ein sauberer Rumpf und volle Kanister
Im Hafen entdeckten wir einen Service, bei dem ein Taucher das Unterwasserschiff reinigt. Das kam wie gerufen, denn Scialla hatte über den Winter einen ordentlichen «Salade du Mer» angesetzt. Ein bewachsener Rumpf bremst nicht nur, sondern treibt auch den Dieselverbrauch unnötig in die Höhe. Nach einer kleinen Verzögerung, die den zuständigen Marinero fast mehr nervte als uns, klappte es am Freitag schliesslich. Jetzt glänzt das Unterwasserschiff wieder, und Scialla wird in der neuen Saison regelrecht übers Wasser fliegen.

Jan besorgte noch einmal Nachschub an Treibstoff und wir füllten sämtliche Reservekanister auf. Mit 50 Litern Diesel, 7 Litern Benzin und zusätzlichen 64 Litern Tankwasser in Kanistern (mit Silberionen für Haltbarkeit) sind wir nun bestens gerüstet, um längere Zeit «off-grid» zu verbringen, ohne einen Hafen anlaufen zu müssen. Ganz vorne in der V-Berth, im äussersten Spitz des Bootes, entfernten wir zudem noch letzte Feuchtigkeitsstellen und Schimmelansätze. Sogar Juna bekam eine neue Sommerfrisur verpasst – und bald muss wohl auch Jan unter die Schere.

Vorbereitungen für den Ostersonntag
Als neues Startdatum legten wir den Ostersonntag fest. Am Samstag hievten wir Mabel auf den Steg und schrubbten sie gründlich. Sieben Wochen im Hafenbecken hatten deutliche Spuren hinterlassen. Auch das Cockpit wurde auf Hochglanz poliert und das Essen für die Überfahrt vorgekocht. Wir bereiteten einen grossen Teigwarensalat vor – das ist bei Seegang Gold wert, da das Kochen mit heissem Wasser bei Wellen nicht nur ungemütlich, sondern auch gefährlich sein kann.

Am Sonntag klingelte der Wecker um 07:15 Uhr. Das übliche Prozedere begann: Ein letzter Spaziergang mit Juna, das Bett für die Nachtfahrt vorbereiten, Rettungswesten und Sicherheitsleinen bereitlegen und schliesslich das erste Mal die polnische Flagge hissen. Nachdem Mabel festgezurrt, der Autopilot bereit, alle Luken dicht und die Seeventile geschlossen waren, schalteten wir den Landstrom ab. Unser Restguthaben auf der Stromsäule übertrugen wir einem netten Schweizer Paar, das ebenfalls fest auf ihrem Boot lebt; sie erstatteten uns den Betrag unkompliziert in bar.
Arrivederci Manfredonia
Nach einem kurzen Funkspruch an die Marina war sofort ein Marinero zur Stelle, der uns beim Ablegen half. Wir hatten eine wunderbare Zeit in Manfredonia und würden jederzeit zurückkehren. Voller Elan starteten wir in die Saison – gerade mal eine halbe Stunde.

Dann tauchte die Guardia di Finanza auf und wies uns an, zu stoppen. Sie machten ihr Boot längsseits an Scialla fest und führten eine Kontrolle durch. Die Beamten waren sehr freundlich und hatten sichtlich Freude an unserer Bord-Hündin. Nachdem wir Ausweise, Registrierung und Versicherung vorgezeigt hatten, war alles nach 30 Minuten erledigt und wir durften unsere Reise fortsetzen.

Öl im Motorraum und die erste Segelbrise
Jan kontrolliert während der Fahrt regelmässig den Motor, und dabei entdeckte er leider Öl in der Bilge. Wir stellten die Maschine ab. Jan fand die Ursache schnell: Die Mechaniker hatten beim wechseln des O-Rings an der Wasserpumpe beim Motorservice vier Schrauben nicht fest genug angezogen. Ein kurzer Handgriff für unseren «Bord-Mechaniker», und wir konnten weiterfahren.


Wir folgten der Küste und kamen dank einer günstigen Strömung zügig voran. Da der Wind schwach war, lief meist der Motor, aber wir liessen es uns nicht nehmen, die neue Genua zu testen. Die Entscheidung für das grössere Vorsegel war goldrichtig: Die Genua performt bei Leichtwind um Welten besser als unsere kleine Fock. So konnten wir zeitweise die Motorenruhe und das Segeln geniessen.


Auch die Nacht verlief ruhig. Trotz der Kälte genossen wir den sternenklaren Himmel und einen spektakulären Mondaufgang. Alle fanden zwischendurch ein paar Stunden Schlaf.

Ankunft in Otranto: Der Anker hält!
Ohne Zeitdruck segelten wir stetig unserem Ziel Otranto entgegen. Da wir bereits im letzten August hier waren, kannten wir den Ankerplatz. Unser neuer Vulcan-Anker durfte direkt zeigen, was er kann: Man spürte richtig, wie er sich schlagartig eingrub und Scialla sicher fixierte. Nach dem wohlverdienten Anleger-Drink ging es an Land.

Dort trafen wir auf eine riesige Menschenmenge – es war Ostermontag, und die Stadt war hoffnungslos überfüllt. Als wir mit Mabel am Kai anlegten, waren wir für die Passanten eine kleine Attraktion. Den Trubel in den engen Gassen konnten wir (und vor allem Juna) nicht wirklich geniessen, aber wir wussten, dass es am nächsten Tag ruhiger sein würde.

Bevor wir mit Mabel zurück zu Scialla ruderten, gab es noch eine kleine Rettungsaktion: Ein Junge hatte seinen Ball im Meer verloren und fragte uns um Hilfe. Wir fischten das gute Stück aus dem Wasser, was uns tosenden Applaus der Zuschauer einbrachte. Zurück an Bord wartete ein Teller Pasta auf uns. Nach 30 Stunden Überfahrt fielen wir müde, aber glücklich in die Koje.

Unterstützt Barking Blue
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