Unter dem Sternenhimmel durchgeschüttelt

Unter dem Sternenhimmel durchgeschüttelt

Freitag, August 21, 2026

Zwischen Sternschnuppen, Burgruinen und kabbeligen Ankerplätzen

Nach Katakolon folgt ein riesiger Küstenabschnitt, der komplett offen ist und sich daher nicht zum Ankern eignet. Unser nächstes Ziel war deshalb die grosse, geschützte Navarino-Bucht bei Pylos. Da die Strecke etwas mehr als 50 Seemeilen beträgt, entschieden wir uns für eine Nachtfahrt. Tagsüber ist es momentan ohnehin brütend heiss, also wollten wir die kühleren Stunden nutzen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten rechneten wir mit etwa 10 Stunden Fahrt, planten aber wegen des angesagten Windes vorsichtshalber lieber mal 12 Stunden ein.

Kurz vor 21 Uhr nahmen wir Mabel an Bord und legten im Dunkeln ab. Der Wind war bereits da, also setzten wir direkt die Genua. Leider währte die Segelfreude nur eine knappe Stunde. Riesige Wellen rollten von achtern an und Scialla wurde ordentlich durchgerüttelt. Die Segel schlugen nur noch lautstark hin und her. Das schadet dem Material und unseren Nerven, weshalb wir sie bargen und den Motor starteten. Wir wurden die ganze Fahrt über dermassen durchs Boot geschleudert, dass an echten Schlaf nicht zu denken war. Man versucht es natürlich trotzdem, und oft reicht es schon, einfach kurz die Augen zu schliessen, um ein wenig Energie zu tanken. Als der Wind erfreulicherweise wieder auffrischte konnten wir die Segel wieder setzten und dabei neue Geschwindigkeitsrekorde verbuchen. Auf einem Halbwindkurs nur unter Genua bis zu 7 Knoten :-) Bei 7.5 Knoten surfend in der Welle war dann der Zeitpunkt die Genua zu Reffen. Auch wenn die Fahrt wirklich unruhig war, machte der Nachthimmel einiges wieder wett. Die Milchstrasse leuchtete über uns, wir zählten rund ein Dutzend Sternschnuppen und der Mondaufgang war eine absolute Wucht. Diese Momente liessen uns die Strapazen für einen Augenblick komplett vergessen während wir dem Morgen entgegen rauschten.

Ankunft im Paradies und historische Ausblicke

Als der Morgen anbrach und wir noch etwa drei Stunden Fahrt vor uns hatten, fuhren wir etwas mehr nach Südosten. Das Meer beruhigte sich glücklicherweise ein wenig, sodass Janine doch noch etwas Schlaf fand, während Jan die Nacht komplett durchmachte. Schliesslich fuhren wir in die historische Navarino-Bucht ein und steuerten den nordwestlichen Teil vis-à-vis der Gialova-Lagune an. Kurz nach 8 Uhr morgens fiel unser Anker auf perfekten Sandgrund. Wir sorgten für Schatten, drehten eine Runde an Land mit Juna, assen eine Kleinigkeit und dann hiess es erst einmal: Schlaf nachholen! So eine unangenehme Nachtfahrt hatten wir wirklich schon lange nicht mehr erlebt.

Die folgenden Tage genossen wir diesen wunderschönen Ort in vollen Zügen. Hoch oben auf der Steilklippe thront das „Old Castle Navarino“ (auch Paleokastro genannt). Diese beeindruckende Festung wurde im 13. Jahrhundert von den Kreuzrittern erbaut, um die strategisch wichtige Bucht zu kontrollieren, und atmet bis heute viel Geschichte. Nach einem 45-minütigen Fussmarsch hatten wir den Gipfel der Ruine erreicht.

Oben angekommen, flog Janine zum allerersten Mal unsere Drohne und wir genossen einen atemberaubenden Blick auf die pilzförmige Ochsenbauchbucht (Voidokilia). Danach wurde es allerdings schnell wieder sehr heiss. Nach einem kühlenden Bad für Juna ging es für uns alle zurück an Bord und in den wohlverdienten Schatten.

Griechische Feiertage und unerwartete Geschenke

Unsere Vorräte neigten sich langsam dem Ende zu. Es ist zwar spannend, wie kreativ man beim Kochen wird, wenn kaum noch etwas da ist, aber es war definitiv Zeit aufzustocken. Am Samstag verlegten wir deshalb Scialla eine halbe Stunde ans südliche Ende der Bucht in die kleine Hauptstadt Pylos. Wir gingen an Land, um gross einzukaufen – und standen prompt vor verschlossenen Türen. Jeder einzelne Laden hatte zu! Der Grund dafür: Es war Mariä Himmelfahrt. Die grosse Einkaufstour musste also warten, und wir holten uns stattdessen etwas zu Essen in einer Bäckerei. Eine einheimische Dame empfahl uns dort ein traditionelles Dessert namens „Galatopita“ (ein feiner Milch-Griess-Kuchen). Sie erzählte uns, dass dieses Dessert an Feiertagen ein absolutes Muss ist und Mariä Himmelfahrt in Griechenland liebevoll das „Ostern des Sommers“ genannt wird. Es war unglaublich lecker und wir sind immer sehr dankbar, wenn uns Einheimische Dinge empfehlen, die wir sonst vermutlich nie probiert hätten.

Der Ankerplatz in Pylos war leider alles andere als angenehm. Wellen aus zwei Richtungen sorgten für extrem kabbeliges Wasser und wir wurden – ein weiteres Mal in dieser Woche – ordentlich durchgeschüttelt. Das macht auf Dauer unglaublich müde und schlägt (vor allem Janine) ziemlich auf die Laune. Wir wussten jedoch, dass wir unsere To-dos noch erledigen mussten und dass wir vermutlich bis Montag warten mussten, bis die Läden wieder regulär öffneten.

Im „Geisterhafen“ von Pylos gibt es einen Wasseranschluss, an dem Jan wunderbar direkt vom Dinghy aus unsere Kanister gleich dreimal füllen konnte (220 Liter). Auch der lokale Bootsshop hatte glücklicherweise geöffnet. Janine kaufte dort zwei Karabiner und traf auf einen unglaublich netten Besitzer. Er brachte ihr sofort einen Orangensirup zur Erfrischung und schenkte ihr obendrein eine Flasche Olivenöl aus eigener Produktion. Wie wahnsinnig praktisch, denn unser eigenes Olivenöl war gerade leer geworden!

Am nächsten Tag besuchten wir den Shop gleich noch einmal, um einen neuen 10-Liter-Dieselkanister zu kaufen. Unser alter Kanister hatte zu viele Ablagerungen gebildet, weshalb wir ihn zusammen mit dem unsauberen Diesel direkt entsorgten. Ausserdem fand Jan in dem Laden tatsächlich ein neues Cap. Sein 13 Jahre altes (!) Exemplar darf nun endlich in die wohlverdiente Rente gehen – vielleicht gibt es ja demnächst eine feierliche Feuerbestattung für das gute Stück ;-).

Am Sonntag holten wir noch 20 Liter Diesel und stellten erfreut fest, dass zumindest einige kleine Läden geöffnet hatten. Wir kauften nur das absolut Nötigste, da wir unser kleines Wägelchen für den Dieselkanister brauchten. Am Montag folgt dann endlich der lang ersehnte Grosseinkauf, bevor es für uns wieder zu neuen, hoffentlich etwas ruhigeren Ankerplätzen weitergeht.

Barking Blue

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