
Winterpause = Bootsarbeiten
Reparieren, Aufrüsten und der erste Besuch der Saison
"Sein Boot reparieren an den schönsten Orten der Welt". Wer auf einem Segelboot lebt, kennt diesen Spruch nur zu gut. Ein Boot bedeutet Arbeit, und unsere Taskliste für die Überwinterungszeit war lang. Bereits vor unserem Heimaturlaub starteten wir mit einigen kleineren Punkten. Da es immer mal wieder regnete, bemerkten wir undichte Stellen an den Fenstern. Bei der einen Luke im Salon tauschten wir die Dichtung aus – leider tropfte es danach immer noch ins Boot. Bei den seitlichen Fenstern haben wir bei den Schrauben neue Dichtungsmasse eingefüllt, was bisher an den meisten Stellen ziemlich gut hält. Nur oben bei der Galley gibt es noch eine undichte Stelle. Ein weiteres Update dazu folgt bald.

Flaggenwechsel und Funk-Bürokratie
Den Wechsel von der italienischen zur polnischen Flagge haben wir ebenfalls in Angriff genommen. Es stellte sich heraus, dass die Austragung aus dem italienischen Register deutlich länger dauert als die Neueintragung im polnischen inklusive neuer Haftpflichtversichrung. Wir erhalten auch eine neue polnische MMSI-Nummer. Wir dachten, das ginge ebenfalls schnell, aber leider kann dies bis zu drei Monate dauern. Die neue Nummer bedeutet, dass wir das Funkgerät ausbauen und zu einem Händler bringen müssen, der uns die neue Nummer einprogrammiert – dasselbe gilt für das Handfunkgerät wie auch fürs EPIRB. Nur das AIS lässt sich mit einem neuen Config-File des Herstellers selbst anpassen. Das Ganze wird dann wohl eine „Quest“ in Griechenland.
Zur Erklärung: Ein EPIRB (Emergency Position-Indicating Radio Beacon) ist ein Notfunksender, der im Ernstfall über Satellit und AIS die genaue Position an Rettungskräfte übermittelt.
Als wir wieder an Bord von Scialla waren, kam gleich ein neuer Punkt auf unserer Liste hinzu: Etwas stimmte mit der Toilette nicht. Nach einigem Nachforschen, um das System genau zu verstehen, stellte sich heraus, dass ein Schwanenhalsventil kaputt war. Wir konnten dies mit einem relativ einfachen Quickfix lösen, haben aber noch ein Ersatzteil bestellt und werden auch dieses noch austauschen.
Lang ersehnte Wärme
Zwei Tage nach unserer Rückkehr kam das erste Paket von SVB.de an. Unter anderem war unsere neue 4-kW-Dieselheizung von Autotherm dabei. Bis der Einbau abgeschlossen war, sorgten ein Luftentfeuchter und mehrere Dry Bags für ein angenehmes Klima.

Die Zu- und Abluftschläuche konnten mithilfe von Adaptern passend gemacht werden. Die neue Dieselpumpe und der alte Auspuff waren schnell montiert. Wie immer bei solchen Projekten war die Verkabelung am mühsamsten. Beim dritten Einschaltvorgang war die Luft aus den Dieselleitungen gepresst und wir erfreuten uns an der wohligen Wärme, die durch das Boot strömte.

Hoch hinaus
Während unserer Zeit in der Schweiz haben wir immer wieder über unser Rigg diskutiert. Eines stand fest: Wir wollen selbst den Mast hoch, uns alles anschauen und dann entscheiden. Also bestellten wir einen sogenannten „Topclimber“. Dies ist ein Klettersystem, bei dem man alleine den Mast hoch kann, ohne auf jemanden an der Winsch angewiesen zu sein. Wen es interessiert – so funktioniert das Ganze:

An einem windstillen Morgen hiess es dann das erste Mal für Jan: System ausprobieren und Vertrauen gewinnen. Janine sicherte Jan zusätzlich mit einer Leine die mit einem Palstek am Geschirr angebracht wurde. Erstmal nur bis zur Mitte des Mastes – danach kam bereits wieder zu viel Wind auf, und es wird ungemütlich dort oben. Jan konnte sich die Wanten selber genau anschauen und fand die Stelle mit dem "Schaden" nicht. Im Nachhinein denken wir, dass der Mann, der unser Rigg „kontrollierte”, merkte, dass wir es selbst noch nie angeschaut hatten und er uns deshalb einfach einen kompletten Austausch andrehen könnte. Wir entschlossen uns, noch eine weitere Saison mit dem Rigg zu fahren und es lieber auszutauschen, wenn wir ohnehin einen etwas grösseren Refit durchführen. Bis auf das Vorstag sind alle Wanten und Stage erst neun Jahre alt und haben somit noch eine Lebensdauer von bis zu sechs Jahren vor sich.

Da unsere Windinstrumente ausgefallen waren (seit der Überfahrt von Montenegro nach Italien), wollten wir dort die Batterien austauschen. Es stellte sich jedoch heraus, dass es nicht daran lag; die alte Batterie hatte nämlich noch Spannung. Hier entschieden wir uns für eine günstige Alternative und bestellten einen kleinen Handwindmesser für die Windgeschwindigkeit, die Windrichtung kann klassisch am "Verklicker" oben am Mast abgelesen werden. Ein komplett neuer Windgeber kostet ca. 850 €, was uns momentan einfach zu teuer ist. Zudem ist die Montage mit unserem Klettersystem nicht optimal, da warten wir lieber, bis wir das Rigg erneuern oder sich sonst eine gute Gelegenheit bietet.
Näh-Action auf dem Steg
Auch der Reissverschluss an unserem Lazybag hat gelitten – so sehr, dass sich der Zipper nicht mehr verschieben liess. Also muss ein neuer Reissverschluss eingenäht werden. Zum Glück hatten wir unsere Nähmaschine dabei. Als Janine draussen an der Maschine sass, sah das unser österreichischer Stegnachbar Helmut. Er fragte, ob ich mir mal etwas auf seinem Boot anschauen könnte. Es gäbe zwar eine Näherin im Hafen, aber die komme nur zwei Tage die Woche und er stehe unter Zeitdruck, da bald seine ersten Chartergäste eintreffen würden. Das Ganze war schnell geregelt und konnte an Bord der „JU“ direkt genäht werden. Seine Dankbarkeit war Lohn genug, aber er lud uns dennoch zum Abendessen ein. Ein tolles All-you-can-eat-Sushirestaurant war genau das Richtige für uns!


Der Lazybag brauchte allgemein noch etwas Zuwendung, und so reparierte Janine noch einige Risse und verstärkte die Nähte. Beim Montieren am Mast haben wir alles etwas besser geordnet, und die Reffleinen liegen nun irgendwie besser. Dabei stellten wir fest, dass alle vier Nieten vorne am Baum gebrochen waren. Das ist aber nichts, was sich nicht mit ein paar Metallschrauben lösen liesse. Jetzt hält er auf jeden Fall wieder bombenfest!

Neue Solarpower
Unser Solarpanel mit eigentlich 335 Watt brachte in der Spitzenzeit im August leider nur noch 250 Watt. Es könnte daran liegen, dass wir einige Zellen beim Montieren damals beschädigt haben. Also gab es hier ein neues. Jan entschied sich für ein 440 Watt Bifacial-Panel (bedeutet das es von beiden Seiten Energie aufnehmen kann). Es ist etwas grösser, aber zum Glück haben uns Oli & Pascal mit Aluwinkeln ausgeholfen, die wir aus der Schweiz mitbrachten (DANKE). Die Montage klappte gut, und die Crew der „JU“ half Jan beim definitiven Anschrauben. Da das alte Solarpanel noch funktionierte, verschenkten wir dieses.


Neuer Anker für ruhige Nächte
Da wir in der kommenden Saison viel vor Anker sein möchten, wollten wir in etwas investieren, das uns auch bei viel Wind ruhig schlafen lässt. Nach einiger Recherche entschieden wir uns für einen neuen Anker: einen 20kg Vulcan-Anker. Dieser gehört zur neuen Generation der Spatenanker. Unser bisheriger 16 kg Delta-Anker ist ein Pfluganker. Wie der Name verrät, pflügt sich dieser nach einiger Zeit durch den Boden – wogegen sich der Spatenanker bissiger eingräbt. Wir druckten eine 2D-Vorlage aus und schnitten diese an Bord aus Karton aus, denn wir mussten herausfinden, ob der neue Anker in unsere Vorrichtung passt. Es sah sehr gut aus, also wurde er bestellt.


Mit dem Dinghy holten wir den Anker im Marina Office ab – das war einfacher, als den ganzen Weg zu tragen. Es gab noch einiges Gebastel, um den Anker im hochgezogenen Zustand ruhiger zu halten. Der grosse Tisch, den wir eine Saison mitgeschleppt hatten und eigentlich entsorgen wollten, wurde kurzerhand in eine Vorrichtung umgebaut, die den Anker an Ort und Stelle hält. Den alten Anker behalten wir als Ersatz, und den, den wir mal auf einem Markt in Lavagna fanden, nutzen wir nun als neuen Heckanker. Dafür haben wir die alte Kette auf 10 Meter gekürzt und eine 30m Ankerleine befestigt. Jetzt haben wir endlich einen einsatzbereiten Heckanker.

Mabel wird offiziell
Wir hatten Mabel seit unserer Rückkehr im Wasser. Einerseits haben wir so genügend Platz an Deck, andererseits ist es praktisch, um Diesel an der Hafentankstelle zu holen (zum Heizen). Zudem konnten wir so besser an die Seiten von Scialla herankommen, um die italienische Registrierungsnummer zu entfernen und durch die neue polnische zu ersetzen. Wir bestellten dafür ein passendes Buchstabenset. Am Heck muss auch noch der Heimathafen stehen – in unserem Fall Gdansk (Danzig). Das gefällt uns optisch zwar nicht so gut, und einige dachten bereits, das sei der Name des Bootes, aber was soll’s. Da wir Buchstaben übrig hatten, wurde auch Mabel angeschrieben und sieht nun richtig offiziell aus. Damit die schöne Mabel nicht unbeabsichtigt den Besitzer wechselt, haben wir ihr ein fünf Meter langes Veloschloss gegönnt.

Überraschung bei den Wassertanks
Als unsere Wassertanks leer waren, bauten wir diese aus und spülten sie ordentlich mit Frischwasser. Da wir letztes Mal vergassen, die Masse zu nehmen, holten wir das jetzt nach. Es stellte sich heraus, dass wir nicht, wie ursprünglich gedacht, 250 Liter Wasser haben, sondern auf jeder Seite nur knapp 80 Liter. Abzüglich der Materialstärke rechnen wir mit 150 Litern. Das machte uns jedoch auch stolz, denn es hiess, dass wir unterwegs nur gerade ca. 6 Liter Wasser pro Person und Tag brauchten (ohne Trinkwasser).

Beim Herausnehmen stellten wir fest, dass die Farbe auf dem Boden auf der Backbordseite abblätterte. Das müssen wir schleifen und neu streichen. Dafür muss es allerdings ein trockener Tag sein, da bei dieser Bilgenfarbe gut gelüftet werden sollte. An regnerischen Tagen bleiben unsere Arbeiten jeweils stehen, aber wir geniessen es dann, zu lesen oder Serien zu schauen.

Jan hat sich auch die Zeit genommen, die Holzelemente im Cockpit und den obersten Tritt der Treppe zu schleifen und im Falle der Treppe auch zu ölen – jetzt sieht Scialla wieder richtig chic aus.



Besuch im Hafen und Ausflüge
Jans Mama Sandra hat sich spontan entschlossen, eine Woche Ferien in Manfredonia zu machen. Sie entschied sich für eines der Hausboote im Hafen – so waren wir praktisch Nachbarn. Sie kam jeden Morgen auf einen Kaffee vorbei, wir genossen die Sonnenstunden und sie half uns bei den Arbeiten. Sie brachte uns auch unsere neue polnische Registrierung mit, die in Kreditkartenform zu ihr nach Hause geliefert worden war.

Da wir die Region entdecken wollten, fuhren wir nach Monte Sant’Angelo. Wir suchten einen Bus raus und fuhren die knapp 55 Minuten lange Strecke für gerade mal 2,80 € pro Person – das sind mal angenehme ÖV-Preise!

Monte Sant’Angelo ist berühmt für die Michaelsgrotte, eine Wallfahrtsstätte, die tief in den Felsen gehauen ist. Der Ort thront spektakulär auf dem Gargano-Gebirge und bietet weisse Gassen und eine mittelalterliche Atmosphäre, die uns sehr beeindruckt hat. Auf der Rückfahrt hatten wir einen neuen Fahrer, der wohl noch am Lernen war – die kurvenreiche Strecke ist mit so einem Bus nicht ganz einfach.

Ein Schreckmoment im Hafen
Wir sassen gerade gemütlich im Cockpit, als wir ein grosses Platsch und einen Schrei hörten. Ein Mädchen war in das Hafenbecken gefallen. Jan rannte sofort los, da alle anderen drumherum in Schockstarre waren. Zum Glück hatte sie sich nicht den Kopf gestossen und konnte die kurze Strecke zur Badeleiter schwimmen. Ein paar Sekunden länger, und Jan wäre ebenfalls im Wasser gewesen. Wir brachten ihr ein trockenes Handtuch und probierten mit unserem Netz, ihre Brille zu retten – mit Erfolg! Der Vater bedankte sich von Herzen. Wirklich verletzt hatte sich nur der Koch des gegenüberliegenden Restaurants, als er zur Rettung eilte und die geschlossene Glastür des Wintergartens übersah.

Leider zeigte sich das Wetter nicht von der schönsten Seite; wir hatten viele graue Tage. Wir machten jedoch das Beste daraus, unter anderem mit einem Ausflug zu Fuss zur Basilica di Santa Maria Maggiore di Siponto. Neben dem romanischen Bau steht eine gigantische Drahtgitter-Skulptur des Künstlers Edoardo Tresoldi, welche die ursprüngliche, zerstörte frühchristliche Basilika in 3D-Optik nachbildet. Besonders bei Sonnenuntergang wirkt das Metallgeflecht fast wie ein Geisterschiff aus Licht.


Sonstige kleinere Projekte
Janine entschied sich noch, neue Vorhänge und Überzüge für den Salon zu nähen. Der Stoff wurde geliefert und auf dem Steg zugeschnitten, da im Boot einfach zu wenig Platz für solche Mengen ist. Die Vorhänge müssen aber noch warten, bis das Wetter besser wird und die undichten Stellen repariert sind, sonst werden sie gleich wieder schmutzig.

Wir haben unsere Genua montiert und sind extrem gespannt, wie Scialla mit ihr performt. Vor dem Wechsel des Vorsegels nutzte Jan die Gelegenheit, die Furlex-Rollreffanlage mit speziellem Lithium-Schmiermittel zu fetten. Dies war bitter nötig, denn das alte Fett in den Kugellagern war so gut wie nicht mehr vorhanden und kam in kleinen, festen Brocken aus den Lagern.

Für die heissen Sommertage besorgten wir uns noch Venitilatoren, einer davon ist im Salon fix montiert und den zweite können wir dank der EcoFlow an verschiendenen Orten benutzten.

In Griechenland wird in den engen Buchten aufgrund des schnell abfallenden Wassers oft mithilfe von Landleinen geankert. Dabei werden vom Heck aus mehrere Leinen am Ufer festgemacht. Wir haben dazu zweimal 50m gelbe, schwimmfähige Leinen bei einer Tauwerkfabrik in Hamburg bestellt. Um zu verhindern, dass die Leinen an Land Schaden nehmen, wenn man sie an Felsen befestigt, haben wir uns ausserdem Schwerlastgurte besorgt.

Da unser Dieseltank leider nur 70l fasst, haben wir zu den bestehenden 30l-Kanistern einen weiteren mit 20l Fassungsvermögen bestellt. Damit sollten wir für eine längere Zeit autark sein, vor allem, solange wir nachts noch heizen müssen. Nach dem gleichen Prinzip besorgten wir uns zwei zusätzliche 22-Liter-Wasserkanister. Damit können wir nun 214l Wasser mitführen (150l in den Tanks und 64l in den Kanistern).
Die Sprayhood zeigte erste Alterserscheinungen und begann zu reissen. Dies liess sich praktischerweise von innen mit selbstklebendem Segeltape reparieren.

Unsere Pinne hat sich bei Rückwärtsmanövern mit viel Wind verbogen. Dies fiel vor allem im zusammengeklappten Zustand auf. Glücklicherweise liess sie sich ohne grosse Materialermüdung zurückbiegen.

Zum Schluss bauten wir im Innenraum verschiedene Schalter und Anzeigen ein. Das Loch der alten Webasto Steuerung konnte mit dem Schalter für den Inverter gefüllt werden. Das Display des Victron Shunts fand seinen Platz wie auch den Einschaltknopf für den Victron DC-DC Lader und das neue Bedienpanel der Dieselheizung.

Im Aussenbereich viel die Halterung der Seenotlampe der UV-Strahlung zum Opfer und musste ersetzt werden. Seit dem letzten Gasflaschentausch in Bari, sind wir im Besitz einer Flasche die mit 3kg Buthan oder 2.5kg Propan gefüllt werden kann. Sehr praktisch, da die Füllung mit Propan gerade mal 15€ kostete, die Hälfte der Kosten eines Austauschs einer Campingaz Flasche. Um auch in dieser Saison von gefiltertem Wasser zu profitieren, wechselten wir die Wasserfilter. Der abfallende Wassertruck meldete das Ende dieser Filter.

Ab nächstem Freitag werden wir jeweils wieder von unserer Woche erzählen und euch hautnah mitnehmen auf unsere kleineren und grösseren Abenteuer. Der nächste Beitrag wird bereits der letzte aus dem Hafen in Manfredonia sein. Danach geht es so richtig los mit unseren zweiten Saison - erstes Ziel; Griechenland!
Und nun wünschen wir euch; Buona Pasqua! 🐰
