
Winterpause zwischen Boot und Heimat
Feuchtigkeit an Bord, Familienzeit in der Schweiz und eine Rückreise mit Hindernissen
Dezember
Aufgrund der defekten Dieselheizung kämpften wir immer wieder gegen die Feuchtigkeit an Bord. Durch die Wärme im Inneren und die Kälte von aussen bildete sich ständig Kondenswasser, das an unseren Aussenwänden herunterlief. Auch an den Schrauben, die Deck und Rumpf verbinden, kondensierte Wasser, das immer wieder in die Schränke tropfte.
Also hiess es: alles ausräumen, Schimmel bekämpfen und anschliessend alles neu einräumen. Leider mussten wir uns auch von einigen Dingen trennen, da der Schimmel bereits zu tief in das Material eingedrungen war. Immerhin gab es neue Plastikkisten für einen der Schränke, und so tat es auch gut, nochmals gründlich auszumisten. Dinge die wir während unserer Zeit an Bord nicht angerührt haben zu entsorgen oder mit in die Schweiz zu nehmen.
Unsere Webasto Dieselheizung war leider nicht mehr zu retten. Wir vermuten das sie im Inneren komplett verrusst ist (Anwenderfehler) und zusätzlich die Elektronik Schaden genommen hat, da die Heizung nicht Mal mehr einen Fehlercode ausspuckte. Beim Ausbau sahen wir, das sie um die 10 Jahre alt ist, eine Reparatur würde uns mehrere 100€ kosten. Nach einiger Recherche und einem Telefonat mit Pascal, der bereits einen Van ausgebaut hat, entschieden wir uns für eine neue Heizung der Marke Autotherm. Diese hat glücklicherweise die gleichen Anschlüsse, kostet aber nur knapp einen Drittel einer neuen Webasto Heizung mit 4kW Leistung.

Währenddessen lief unser Elektroofen fast ununterbrochen. Er wärmte zwar das Boot, schmolz aber gleichzeitig unser Guthaben an der Stromsäule. Stolze 120 € haben wir in drei Wochen verbraucht. Da unsere Abreise ohnehin bereits geplant war, beschlossen wir, die neue Dieselheizung erst kurz vor unserer Rückkehr aufs Boot zu bestellen.
Unsere Fock – das Vorsegel – demontierten wir. Für die nächste Saison möchten wir nämlich unsere Genua montieren, ein grösseres Vorsegel. Die Fock falteten wir sorgfältig zusammen und verstauten sie im vorgesehenen Sack. Viele Segler nehmen ihr Vorsegel über den Winter herunter, um den Stoff zu schonen.

In unserem letzten Blogbeitrag hatten wir erzählt, dass ein Herr aus dem Hafen, der hier allerlei Arbeiten erledigt, sich unser Rigg genauer anschauen wird. Wir hatten ihn vorgewarnt, dass wir ein Grossfall aus Draht haben ohne jegliche Übersetzung. Daher dachten wir, er würde sich zumindest Hilfe oder geeignete Kletterutensilien mitbringen (ausser dem Obligatorischen Bootsmannstuhl).
Nichts da.
Also hievten wir ihn zu zweit den 12 Meter hohen Mast hoch. Jan an der Drahtfallwinde, die ständig sehr ungewohnte und nicht gesunde Geräusche machte und Janine sicherte ihn zusätzlich an einem zweiten Fall und half zumindest ein wenig mit. Sein Fazit: Das gesamte Rigg sei extrem alt (mindestens 20 Jahre) und müsste dringend erneuert werden. Er zeigte uns Bilder kleiner "rostiger" Stellen. Einige Tage später kam er mit der Offerte vorbei: knapp 10'000 €. Jan stand der Schock sichtlich ins Gesicht geschrieben.
Das liess ihm keine Ruhe, also ging er sofort in den Recherchemodus über. Er berechnete die Materialkosten und stellte nach Rücksprache mit dem Vorbesitzer fest, dass bis auf das Vorstag alle Teile des stehenden Guts erst 2017 erneuert worden waren. Normalerweise wird dieses alle 10–15 Jahre oder 20'000sm ersetzt.
Wir informierten den Herrn also, dass uns die komplette Erneuerung zu teuer sei und wir lediglich die Oberwanten (die Stahlseile, die bis ganz nach oben an den Mast führen) sowie das Vorstag (vom Mast nach vorne zum Bug) ersetzen möchten. Kurz darauf kam eine neue Offerte: rund 3'500 €.
Schon deutlich angenehmer – auch wenn wir es etwas merkwürdig fanden, dass der Kran plötzlich nur noch etwa die Hälfte kosten sollte. Immerhin hätte er den Mast legen, die Drähte austauschen und anschliessend wieder stellen müssen. Wir liessen uns mit dieser Entscheidung also noch etwas Zeit.
Rückreise in die Schweiz
Wir entschieden uns, unsere Rückreise in die Schweiz erst nach dem Mittag zu starten. Einerseits, weil wir keine Frühaufsteher sind – andererseits gibt es doch einiges zu erledigen, bevor man ein Boot mehrere Wochen alleine lässt.

Die beiden Kühlschränke mussten abgetaut und geputzt werden, draussen wurde alles gesichert, sämtliche Schränke blieben offen, damit Luft zirkulieren kann, und alle Polster sowie Kissen stellten wir hoch, damit sich möglichst wenig Feuchtigkeit sammelt. Unsere Decken verstauten wir in Vakuumsäcken.

Nachdem alles gepackt war und Scialla bereit für unsere Abreise, gingen wir zum Parkplatz der Marina. Hier holte uns ein sehr netter Fahrer ab, den wir eine Woche zuvor gebucht haben, um uns nach Foggia zum Bahnhof zu fahren.


Manfredonia hat zwar einen Bahnhof – allerdings fahren hier nur im Juli und August Züge. Es gibt zwar Busse nach Foggia, aber damit wären wir entweder vier Stunden zu früh dort gewesen oder hätten nur fünf Minuten zum Umsteigen gehabt. Bei den bekannten Verspätungen war uns das zu riskant.
Am Bahnhof angekommen besorgten wir uns noch etwas zu essen. Kurz nach der Abfahrt hatte der Zug bereits 20 Minuten Verspätung – und diese wurde immer länger. Uns war schnell klar, dass wir unseren Anschluss in Bologna verpassen würden.

Also fragten wir einen Schaffner, ob wir einfach im Zug bis nach Mailand sitzen bleiben können. Ursprünglich wollten wir wegen Juna noch einen zusätzlichen Umstieg einbauen, aber sie machte einen sehr entspannten Eindruck. So kamen wir mit 58 Minuten Verspätung in Mailand an.

Unseren eigentlichen Anschluss hatten wir längst verpasst – und wir hatten genau drei Minuten Zeit, um den letzten Direktzug nach Zürich zu erreichen. Gar nicht so einfach, mit viel Gepäck und Hund durch den Bahnhof Mailand zu sprinten. Jan kam beim Zug an, drückte den Türknopf – zu spät. Die Türen waren bereits verriegelt und der Zug fuhr los.

Glücklicherweise gab es 45 Minuten später noch eine Verbindung. Allerdings mussten wir zweimal umsteigen: Zunächst ging es nach Bellinzona und dann weiter nach Arth Goldau bis wir schliesslich den Bahnhof in Zürich erreichten. Wir würden gerade noch die letzte Forchbahn um Mitternacht ab Stadelhofen erreichen. Glücklicherweise war Thomas – unser Gastgeber für die nächsten Wochen – noch in Zürich unterwegs und holte uns am Hauptbahnhof ab. Vielen lieben Dank dafür!
Familie, Freunde und 5-facher Nachwuchs
Die nächsten Tage vergingen Schlag auf Schlag. Wir hatten viele Besuche geplant – und vor allem viele neue Gesichter kennenzulernen. Während unserer Reise kamen gleich vier Babys in unserem Freundeskreis zur Welt, und das fünfte war bereits unterwegs.Wir freuten uns riesig, alle frisch gebackenen Eltern zu sehen und natürlich auch die kleinen neuen Erdenbürger kennenzulernen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an alle, die sich Zeit genommen haben, uns zu treffen.

Bald kam der Januar und die Winterferien waren für die meisten vorbei. Damit blieben nur noch die Wochenenden – und auch diese waren schnell ausgebucht. Das Wetter war zwar oft grau, aber dass es so viel Schnee gab – und dieser sogar liegen blieb – hat uns, vorallem auch unseren kleinen Lawinenhund, sehr gefreut und machte die Kälte deutlich angenehmer.


5 Wochen ohne Küche
Bereits im Voraus wussten wir, dass während unseres Heimaturlaubs die Küche im Elternhaus von Janine – wo wir grosszügigerweise bei Sandra und Thomas wohnen durften – komplett umgebaut wird.
Am 1. Januar hiess das also: alte Küche ausbauen. Eine solide, 35 Jahre alte Küche ist erstaunlich robust gebaut. Beim Dampfabzug musste schliesslich sogar der Vorschlaghammer zum Einsatz kommen – sehr zur Freude der beiden Männer.

Ganz ohne Küche mussten wir aber nicht auskommen. Kühlschrank und Steamer wurden kurzerhand ausgebaut und im Wohnzimmer aufgestellt. Dort richteten wir uns eine kleine improvisierte Wohnküche ein. Dank dem Steamer konnten wir immerhin einige Ofengerichte zubereiten. Ansonsten gab es den Pizzalieferdienst (Gruss an Giallo) oder FKK – frische kalte Küche.
Ende Januar war die neue Küche montiert, die Wände gestrichen und tapeziert, und Anfang Februar kam dann auch noch die Steinabdeckung. Gerade rechtzeitig vor unserer Abreise.
Unsere Zeit in der Schweiz
Neben den Besuchen bei Freunden und Familie waren die Tage in den ersten Wochen oft ziemlich durchgeplant. Jan hatte unter anderem Kundenbesuche, schrieb Offerten, verkaufte einige seiner Kameras und Objektive, baute zwei PCs und ging nach über einem Jahr endlich wieder zum Friseur – unterwegs hatte Janine ihm jeweils die Haare geschnitten.

Janine verabschiedete sich schweren Herzens von EcoDoggo, baute eine Webseite für ihr Gotti, designte Flyer und Visitenkarten und fand auch wieder etwas Zeit zum Basteln und Nähen.

Schliesslich entschieden wir uns, eine Woche länger in der Schweiz zu bleiben als ursprünglich geplant. So hatten wir noch ein zusätzliches Wochenende für Freunde, Familie und Burger.



Die sieben Wochen vergingen unglaublich schnell. Wir genossen die Abwechslung und auch den Abstand zum Boot. Wir hatten jeden Tag gute Unterhaltung dank der beiden Katzen gemeinsam mit Juna - inzwischen sind sie schon fast sowas wie Freunde.

Am meisten genossen wir wohl den kurzen Weg zur Dusche – ohne zuerst nach draussen zu müssen (im Hafen). Solche Kleinigkeiten schätzt man plötzlich sehr, wenn man sie längere Zeit nicht mehr hatte.
Zurück nach Italien
Den Rückweg wollten wir diesmal mit dem Nachtzug antreten. Inzwischen wissen wir, dass Juna Zugfahrten sehr gut verträgt und auch lange ohne Toilettengang auskommt.

Der Zug nach Mailand war erstaunlich leer – dafür, dass gerade Olympia stattfand. In Mailand verliessen wir kurz den Bahnhof, um frische Luft zu schnappen, mit Juna eine letzte Pipirunde zu drehen und etwas zu essen. Wer den Bahnhof in Mailand kennt, weiss: Es ist fast wie Bingo. Das Gleis für den Zug wird oft erst wenige Minuten vor Abfahrt auf der grossen Anzeigetafel angezeigt.

Kaum waren wir im Zug, wurden wir bereits aufgehalten: Mit Hund dürfen wir nicht in ein 4er-Abteil mit anderen Fahrgästen. Das ist verständlich und auch richtig – aber wie wir das im Voraus hätten buchen sollen, ist uns bis heute ein Rätsel. Die Option, das gesamte Abteil zu Buchen, fehlte leider. Wir sollten mit dem Zugchef sprechen, ob noch ein anderes Abteil frei sei. Zum Glück war noch eines verfügbar – allerdings war der Aufpreis noch unklar.
Gerade als wir endlich etwas Schlaf fanden, klopfte es an der Tür. Drei Schaffner standen davor und diskutierten. Schliesslich zeigten sie uns den Preis: 210 €. Mehr als doppelt so viel, wie wir ursprünglich für unsere Tickets bezahlt hatten (67 € pro Person). Wir merkten das an, woraufhin die Diskussion der Italiener erneut auflebte. Am Ende mussten wir zusätzliche 130 € bezahlen. Dafür hatten wir das Abteil für uns alleine und Juna störte niemanden.

Wir konnten immerhin etwa vier Stunden schlafen, bevor wir sechs Minuten zu früh (!) – um 5:36 Uhr – in Foggia ankamen. Das Bahnhofscafé hatte bereits geöffnet. Also gab es einen Kaffee, ein Cornetto und einen Saft zum Frühstück. Unser Fahrer holte uns um halb acht ab, und schon bald waren wir wieder unterwegs Richtung Manfredonia – zurück zu unserer alten Lady.
Scialla – wir kommen
Im nächsten Teil geben wir euch einen Einblick in unsere Bootsarbeiten, Upgrades, Schockmomente, nette Stegnachbarn und den ersten Besuch hier im Hafen.

